Preise den HERRN meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten!

Psalm 103,2

Die Kerbe im Tisch

Vor der westfriesischen Nordseeinsel Terschelling war einst ein Schiff in einem heftigen Sturm in Seenot geraten. Es drohte zu stranden un zu zerschellen. Doch im Augenblick der größten Gefahr ließ die Kraft des Sturmes nach, und das Schiff konnte wieder auf den rechten Kurs gebracht werden.

Einige Tage Später bemerkt der Kapitän an dem Tisch, an dem die Mannschaft speiste, einen tiefen Einschnitt. Er fragt, wer denn diese Kerbe angebracht habe. Der Schuldige meldet sich und erklärt den Hintergrund: 

„Diese Kerbe habe ich am Abend des Tages gemacht, als wir vor Terschelling dem Tod in Auge sahen. An diesem Tag ist an Bord nicht geflucht, aber viel gebetet worden. Als dann der Sturm nachließ haben wir alle gesagt: «Gott sei Dank! Daran soll uns diese Kerbe erinnern!» Wenn die Leute aber wieder anfangen zu fluchen und gottlos zu reden, weise ich sie auf die Kerbe hin und frage, ob sie den Tag von Terschelling etwa schon vergessen haben. Dann schämen sie sich und werden wieder still.“

Wie viele „Kerben“ hättest du im verflossenen Jahr wohl in den Tisch schneiden können? Bei wie vielen Gelegenheiten hat sich Gottes Güte und Treue freundlichen an dir erwiesen und dir geholfen? – Sollten uns die Beweise seiner Güte und Treue nicht noch vor Augen stehen, oder sollten wir sie uns nicht wieder neu ins Gedächtnis rufen? Dann werden wir Ihm im Rückblick auf das vergangene Jahr von Herzen für seine Wohltaten preisen. Und im Blick auf das vor uns liegende Jahr werden wir mit frohem Herzen voranschreiten können – im Vertrauen auf seine Güte und Treue.

Aus „Der Herr ist Nahe 2013“, CSV-Verlag (28.12.2013)